Bakterielle Infektionen bei Garnelen
Vor allem bei höheren Außentemperaturen und somit auch höheren Beckentemperaturen häufen sich Berichte über rätselhaftes Garnelensterben bei scheinbar optimalen und unveränderten Wasserwerten in diversen Foren.
Ein möglicher Grund dafür könnte eine bakterielle Infektion sein.
Bakterielle Infektionen sind neben falschen Haltungsbedingungen eine der häufigsten Todesursachen von Garnelen.
Durch die höheren Wassertemperaturen werden die Lebensbedingungen für Bakterien und andere Krankheitserreger begünstigt und es kann zu einem rapiden Anstieg der pathogenen Bakterienpopulationen / Keimdichte im Becken kommen. Vor allem ältere und sehr junge Tiere mit schwachem Immunsystem werden schnell Opfer der Krankheitserreger.
Diagnose / Symptome
Die Diagnose von Infektionen ist sehr schwierig und sie können kaum erkannt werden, bevor nicht schon erste Tiere verstorben sind.
Die Infektion zeigt sich meistens durch täglich ein bis zwei tote Tiere, wobei keine Veränderung der Wasserwerte oder der Einrichtung vorgenommen wurde und alles wie gehabt läuft. Häufig ist, bei einigen Tieren, auch ein ausgeprägter Farbverlust zu beobachten.
Infizierte Tiere, vor allem bei inneren Infektionen, können eventuell an weißen oder leicht orangefarbenen trüben / milchigen Verfärbungen des Hinterleibes und der inneren Organe erkannt werden. Diese Verfärbung breitet sich im Regelfall innerhalb weniger Stunden weiter über der ganzen Körper aus. Wobei dies keine absolut sicheren Zeichen für rein bakterielle Infektionen sind. Dies sind nur ein Zeichen für entzündetes oder nekrotisches Gewebe. Genauso kann eine Pilzerkrankung optisch ähnlich aussehen.
Oftmals sind bakterielle Infektionen auch "nur" sogenannte Sekundärinfektionen. D.h. Bakterien befallen ein Tier, dessen Immunsystem schon aus anderen Gründen geschwächt ist und somit die Infektion nicht mehr abwehren kann. Mögliche Grundursachen wären z.B. Stress, Verletzungen, Parasitenbefall oder ungünstige Wasserparameter.
Die Infektion kann aber nicht nur Gewebe und Organe betreffen sondern auch das Exoskelett / den Panzer. Diese Infektionen sind Anfangs vor allem am Schwanzfächer zu erkennen. Dieser verliert seine Färbung, wirkt fleckig und kann etwas ausgefranst aussehen. Häufig erkennt man auch weiße oder bräunliche Flecken / Löcher am Panzer. Wenn die Gliedmaßen betroffen sind, sehen diese meist milchig und leicht rosa aus und hängen wie abgestorben am Körper. Tiere mit solchen Symptomen sind meistens nicht mehr zu retten.
Tiere mit fortgeschrittener Infektion, egal ob äußere oder innere, sind generell eher träge, fressen kaum und halten sich sehr versteckt.
Maßnahmen
Als erste und wichtigste Maßnahme muss die Wasserqualität im Becken verbessert und somit die Keimdichte reduziert werden:
- min. 80% Wasser wechseln (verteilt auf mehrere Tage)
- Bodengrund gründlich reinigen (z.B. mit Mulmglocke)
- Sauerstoffzufuhr optimieren (evtl. Ausströmer mit Membranpumpe installieren)
- tote Tiere umgehend entfernen, damit sich andere nicht beim Fressen des toten Tieres anstecken können
- sehr sparsam füttern / nicht gefressenes Futter rasch entfernen
- Filterung überprüfen (Schläuche und stark verschmutztes Filtermaterial reinigen)
- evtl. UV-Klärer installieren
- evtl. Seemandelbaumblätter oder ein Stück Zimtstange ins Becken geben (wirkt beides Bakterien- und Pilzhemmend)
- Filter-Starterkulturen ins Becken geben um die nützliche Bakterienflora zu stärken
Medikamente
Eine medikamentöse Therapie sollte nur als letzte Möglichkeit in Erwägung gezogen werden. Durch eine Therapie mit Antibiotika-Präparaten werden nicht nur die Krankheitserreger sondern auch sämtliche Filterbakterien getötet was eine neuerlichen Nitritpeak zur Folge haben kann. Dazu besteht die Gefahr, dass der Erregerstamm, wenn er nicht komplett getötet wird, resistent gegen das Antibiotikum wird und somit bei einer neuerlichen Ausbreitung der Erreger und Infektion der Tiere wesentlich schwerer zu bekämpfen ist.
Auch bei der Auswahl des Medikaments ist Vorsicht geboten, da nicht alle Aquarienmedikamente für Wirbellose geeignet sind und tötlich für die Garnelen wirken können.
Allerdings kann ich aus aktueller eigener Erfahrung sagen, dass man oft nicht um eine Medikamentenbehandlung herum kommt.
Mögliche Medikamente, die schon erfolgreich bei Garnelen angewandt wurden, sind:
- JBL Furanol 2 (von mir persönlich verwendet und mein Favorit)
- Sera Bactopur
- Tetra GeneralTonic
Fazit
Generell ist eine gründliche Beckenhygiene die wohl wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung von Infektionen. Dazu gehört neben regelmäßigen Wasserwechseln auch nicht zu seltenes Absaugen des Bodengrunds. Die häufig gehörte Meinung, dass viel Mulm im Becken nichts schlechtes ist, kann ich absolut nicht befürworten. Ein Garnelenbecken sollte nicht steril sein, aber trotzdem sollte sehr viel Wert auf die Boden- und Wasserhygiene gelegt werden. Auch eine regelmäßige Grobreinigung des Filters ist meiner Meinung nach ein MUSS!


Kommentare
Lieber Gruss